Open Access bringt Reichweite

Dr. Nadine Schlömer-Laufen und Dr. Stefan Schneck über ihre Open-Science-Erfahrungen

Die drei wesentlichen Learnings:

  • Open-Access-Publikationen erhöhen die internationale Reichweite – insbesondere die englischsprachigen
  • Open-Access-Repositories wie EconStor werden z.T. von Herausgeber*innen zur Autorenakquise genutzt.
  • Der Austausch mit Unternehmern und Multiplikatoren kann wertvolle Impulse für die eigene Arbeit liefern.


Welche positiven Erfahrungen haben Sie im Kontext von Open Science gemacht?

NSL: Das Institut für Mittelstandsforschung veröffentlicht seine Reihen bei EconStor. Das ist das Open-Access-Repository für die Wirtschaftsforschung. Bei unserer Working Paper Reihe, unserem einzigen englischsprachigen bzw. internationalen Format, merken wir, dass die Downloadzahlen stetig ansteigen. 2018 hatten wir noch rund 1.800 Downloads, 2020 sind es schon über 3.100 (siehe EconStor-Statistik). Und das Jahr ist noch nicht zu Ende. Zudem bekommen wir auch mehr internationale Sichtbarkeit. Rund ein Drittel der Leser*innen kommt aus Deutschland, ein Sechstel jedoch kommt aus den USA. Und wir haben sogar Downloads aus UK, Frankreich, China, Indien oder Südafrika. Das ist für unser Thema Mittelstandsforschung enorm.

StS: Ergänzend möchte ich hinzufügen, dass unsere Open-Access-Publikationen teilweise viel häufiger heruntergeladen werden als die jeweiligen Publikationen in kostenpflichtigen Fachzeitschriften und Magazinen. 


Welche Rolle spielt hier die Sprache?

StS: Wir veröffentlichen im Institut für Mittelstandsforschung normalerweise auf Deutsch. Aber einige Aufsätze werden auch in Englisch veröffentlicht. Und sofort sehen wir die Effekte. Der am häufigsten heruntergeladene Beitrag des IfM Bonn hatte beispielsweise die meisten Downloads aus den USA (21%), gefolgt von UK (13%) und erst an dritter Stelle kam Deutschland mit 6%.


Konnten Sie irgendwelche Besonderheiten beobachten?

NSL: Es ist insgesamt spannend zu beobachten, wo unsere Arbeitspapiere überall landen. Beispielsweise merken wir, dass Journals und Herausgeber*innen von Sammelbänden bei uns in den Working Papern recherchieren und Autor*innen direkt ansprechen. In einem Fall haben wir sehr konkret davon profitiert: Meine Kollegen und ich hatten einen Artikel bereits in der Working Paper Series veröffentlicht – wussten aber noch nicht so recht, wo wir es sonst veröffentlichen sollten. Wir hatten aber auch keine Zeit, daran weiterzuarbeiten. Eines Tages bekamen wir einen Anruf von einem Herausgeber eines Sammelbandes, ob wir den Artikel – sofern dieser noch nirgends eingereicht sei – für seinen Sammelband einreichen wollten. Und das haben wir gemacht. Eine solche „Erfolgsgeschichte“ passierte auch im Fall eines anderen Beitrags, der bei uns in der Working Paper Reihe erschienen ist.


Stellen Sie Ihre Forschungsdaten zur Verfügung?

StS: Ja, das IfM Bonn folgt dem Beispiel anderer, teilweise deutlich größerer Institute, und stellt seine Forschungsdaten seit 2019 für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung. Die Datensätze liegen im SPSS- bzw. im Stata-Format vor. Allerdings stecken wir hier wirklich noch in den Kinderschuhen und sind noch dabei, das Angebot zu bewerben.


Wissenstransfer steht ja für das Institut für Mittelstandsforschung ganz oben auf der Agenda. Was ziehen Sie persönlich aus Ihren Kommunikationsaktivitäten?

NSL: Wir ziehen sehr viel aus unseren Kommunikationsaktivitäten, wenngleich wir aufgrund unserer Satzung auch explizit zum Wissenstransfer verpflichtet sind: Das IfM ist ja auch kein klassisches Forschungsinstitut: Es wurde im Jahr 1957 auf Initiative Ludwig Erhards gegründet und hat die Aufgabe, Lage, Entwicklung und Probleme des Mittelstands zu erforschen sowie die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Daher ist der Transfer unserer Forschungsergebnisse in die Öffentlichkeit ein zentraler Bestandteil unseres Aufgabenspektrums. Das heißt, sowohl die Institutsleitung als auch alle Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verfassen regelmäßig Gastbeiträge für Praktikerzeitschriften und große überregionale Zeitungen. Zudem halten wir Vorträge auf wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Konferenzen und auch auf sehr praxisorientierten Veranstaltungen. Der Austausch mit der Praxis ist für uns zugleich auch ein ganz wichtiger Resonanzboden und Input für unsere Forschung. Denn nur durch diese Gespräche erfahren wir, welche Themen für den Mittelstand gerade wichtig sind und was die Familienunternehmen bewegt. Dafür ist bspw. die Lehre bei uns ein Nebenverdienst bzw. Freizeitvergnügen, also genau anders herum als an Hochschulen.


Über Dr. Nadine Schlömer-Laufen und Dr. Stefan Schneck:

Dr. Nadine Schlömer-Laufen ist Projektleiterin im Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. Sie ist Mitglied des Herausgeberbeirates der IfM Working Paper Reihe. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Unternehmensnachfolge, Unternehmenslebenszyklen und Familienunternehmen.

Kontakt: https://www.ifm-bonn.org/ueber-uns/team/profil/nadine-schloemer-laufen

Dr. Stefan Schneck ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn und Mitglied des Herausgeberbeirates der IfM Working Paper Reihe. Er forscht auf den Gebieten Entrepreneurship, Unternehmenswachstum und Mittelstandspolitik. Kontakt: https://www.ifm-bonn.org/ueber-uns/team/profil/stefan-schneck




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