Wie Vernetzung in die Open-Science-Community die eigene Forschungsarbeit unterstützt

Dr. Caroline Fischer über ihre Open-Science-Erfahrungen

Porträt von Dr. Caroline Fischer

Die drei wesentlichen Learnings:

  • Open-Science-Kompetenzen können in Einstellungsverfahren ein Alleinstellungsmerkmal sein, auf das Gutachter:innen zunehmend achten.
  • Prereview-Plattformen bieten die Chance, schon vor dem eigentlichen Reviewprozess Feedback von den Peers abzuholen, um das Manuskript zu verbessern.
  • Präregistrierungen können hilfreich sein, um auch insignifikante Ergebnisse zu veröffentlichen.

Sie waren Fellow im Programm „Freies Wissen“ – wie wird man Fellow und wie wurden Sie für das Thema Open Science sensibilisiert?

CF: Ich hatte während des Studiums schon Kontakt mit dem Thema Open Science über einen sehr engagierten Dozenten. Wir haben zum Beispiel in Lehrforschungsprojekten mit offenen Datensätzen gearbeitet und der Dozent hat uns auch erklärt, wo man offenen Code findet. Das fand ich als Nutzerin von offen stehenden Ressourcen toll. Als Lehrende an der Universität habe ich darauf aufgebaut und mit den Studierenden viele offene Ressourcen genutzt, seien es Daten oder OER. Hinzu kam, dass ich mich in meiner Forschung inhaltlich auch auf das Thema „Open Government“ fokussiert habe, um z.B. auch herauszufinden, wie transparent eigentlich der Staat ist. Ich fand es sehr paradox, dass wir Verwaltungswissenschaftler:innen immer sagen, es braucht mehr Open Government Data und es braucht mehr Transparenz in der Verwaltung, aber selbst setzen wir das nicht um. Diese Paradoxien in meiner wissenschaftlichen Arbeit und die positiven Erfahrungen als Studierende und Lehrende führten dazu, dass ich das auch gerne machen wollte. Und weil ich davon profitiert habe, möchte ich auch etwas zurückgeben.

Was haben Sie als Fellow im Programm „Freies Wissen“ gelernt?

CF: Ich war als Doktorandin auf der Suche nach Mentoring. Wie mache ich zum Beispiel eine Präregistrierung? Was muss ich beachten, wenn ich meine Daten veröffentlichen will? Das ist ja in den Sozialwissenschaften oft schwieriger als in den Naturwissenschaften. Es war für mich als Fellow sehr gewinnbringend, die Community kennenzulernen und in dieses Netzwerk reinzukommen. Dieses Netzwerk hat mich auch nochmal bestärkt, in diesem Feld weiterzumachen – obwohl es in meiner Disziplin viel Gegenwind und viele Bedenken gibt. Ich war damals Doktorandin und habe mich bei meiner Promotion gefragt, ob ich die Daten offen zur Verfügung stellen sollte, denn man macht sich dadurch ja auch angreifbar bei Fehlern. Die Community des Fellowprogramms hat mich aber doch sehr gestärkt, bei meinem moralischen Kompass zu bleiben.

Haben Sie Ihre Entscheidung schon mal bereut?

CF: Mal so, mal so. Es ist schon arbeitsaufwändig, die Daten zu Studien offen zugänglich und anschlussfähig zu machen. Anderseits habe ich aber auch den Eindruck, dass in Bewerbungsverfahren mehr nach Open Science geschaut wird. Wenn man sagt, dass man Erfahrungen mit Open Data hat, dass die Leute das auch interessant finden und auch versuchen, sich diese Open-Science-Kompetenzen durch Stellenbesetzungen bzw. Einstellungen einzukaufen.

Diskutiert die BWL ihre Fachkultur und ihre Methoden?

CF: In dem Bereich, in dem ich unterwegs bin, dem Public Management, tut sich methodisch sehr viel. Die Disziplin öffnet sich sehr gegenüber Experimenten und nimmt eine kritischere Position gegenüber p-hacking und HARKing ein. Die Diskussionen um Replikationen aus der Psychologie kommen auch in der BWL an. Es sind sehr viele Leute methodisch reflektierter unterwegs als noch vor ein paar Jahren und hinterfragen Studien, das ist zumindest mein Eindruck, wird aber vielleicht den alten Hasen nicht gerecht. In der quantitativen Forschung passiert da meiner Meinung sehr viel. Und das führt dann eben doch dazu, dass man Studien präregistriert und Daten offen hinterlegt, um transparenter und nachvollziehbarer zu sein. In der qualitativen Forschung hingegen ist das schwieriger, oder wird von vielen Forscher:innen zumindest so empfunden. Aber auch hier gibt es nach und nach Hilfestellungen, wie beispielsweise den Leitfaden von Isabell Steinhardt et al. zum Publizieren qualitativer Forschungsdaten. Was sich in der BWL tut, kommt eher aus der Methodenreflektion, so zumindest mein Eindruck. Viele Betriebswirt:innen haben erkannt, dass es auch für die Publikation wichtig ist, ein ordentliches Methoden-Backup zu haben. Im Bereich Public Management gibt es sehr viele Q-Wissenschaftler:innen, die Open Science wichtig finden und umsetzen. Bei den Lehrstuhlinhaber:innen hingegen schlägt es sich noch nicht immer nieder. Es gibt wenige, die aktiv offene Wissenschaft betreiben, da würde ich mir mehr Aufgeschlossenheit und Mut wünschen.

Andererseits werden unter den Professor:innen Themen wie Open Access auch zum Beispiel auf der Jahrestagung des VHB diskutiert. Ich habe aber das Gefühl, die BWL ist eher noch in der Open Access-Debatte verhaftet. Das Thema müsste nach all den Jahren eigentlich schon längst abgehakt sein. Das Thema Open Data ist in der deutschen BWL hingegen noch nicht wirklich verbreitet.

Welche positiven Effekte erleben Sie als Q-Wissenschaftlerin im Kontext von Open Science?

CF: Ich habe von der offenen Arbeit der Community profitiert und viel gelernt. Es haben sich beispielsweise aus diesem Fellowkreis heraus Ko-Autorenteams gebildet. Es hat mich bereichert, in diesen interdisziplinären Teams zu schreiben. Wir haben auf der Metaebene zum Beispiel auch einen Beitrag zu der Heinsberg-Studie 2020 gemacht.

Was ich auch festhalten kann: Wenn ich mich an ausländischen Universitäten bewerbe, fragen die schon gezielter nach, was ich schon im Kontext Open Science gemacht habe. Die schauen auch mehr, wie man Wissenschaftskommunikation betreibt und mit der Gesellschaft interagiert, zum Beispiel ob man schon in Praktiker-Journals veröffentlicht hat.

Ich finde es im Sinne der offenen Wissenschaft auch wichtig, über Fehler zu sprechen und das, was im Forschungsprozess nicht klappt. Nun ist das natürlich gerade als Q-Wissenschaftlerin möglicherweise ein besonders heikles Thema, aber ich finde diese Transparenz wichtig. Es schreiben ja immer mehr Leute auch über ihre Rejections in der Wissenschaft. Man kann seine abgelehnten Drittmittelanträge in Foren teilen etc. (zum Beispiel Open Grants). Ich bin erst kürzlich auch in so eine Richtung gegangen und habe ein missglücktes Experiment als eben eine solche Methoden-Failure und wie man daraus lernen kann aufgeschrieben. Und mein Artikel wurde tatsächlich auch in einem relativ neuen Journal (JOTE Journal of trial and error) angenommen. Ich finde, dass es solche Outlets auch in unserer Disziplin bräuchte.

Wie können Wissenschaftler:innen in der BWL am besten Open-Science-Kompetenzen erlernen?

CF: Meiner Meinung müsste es in jeder Fakultät eine Ansprechperson für Open-Science geben, wenn nicht sogar in jedem Fach. Es gibt an den Universitäten und Bibliotheken genug Expert:innen zu den einzelnen Aspekten von Open Science – für Open Access und Daten in den Bibliotheken, für OER häufig bei den Lehramtsstudiengängen oder der Didaktikweiterbildung. Es müsste jemand hier ein fachliches Netzwerk aufbauen. Im Idealfall würde dies die Hochschulleitung organisieren. Wünschenswert wäre es natürlich auch, alle Open-Science-Ansprechpartner:innen der Institution zu veröffentlichen, sodass man weiß, an wen man sich mit welcher Frage wenden kann. Es bräuchte eigentlich zu diesem Thema eine Art Wissenlandskarte, nicht nur beschränkt auf die Universität, sondern vielleicht über die Fachgesellschaften. Wenn man in der Community drin ist, weiß man, wen man fragen kann. Aber für Doktorand:innen, die relativ neu sind, ist es schwierig selbst Ansprechpartner:innen zu finden, weil diese eben oft nicht offizielle Ansprechpartner:innen sind. Und wenn dann die Zeit fehlt, lange zu recherchieren, ist die Motivation offen zu forschen, eben auch schnell wieder weg.

Funktioniert Open Science nur über intrinsische Anreize oder wie erreichen wir das nächste Level?

CF: Die Wirtschaftsforschung hätte einen großen Schritt gemacht, wenn wir Open Science nicht mehr abstrafen und wenn wir ehrlich und offen Missstände im Wissenschaftssystem benennen und darüber in den Austausch kommen würden. Wir brauchen auch dringend eine andere Fehlerkultur. Wir müssen mehr Wagnisse eingehen und Fehler riskieren. Es ist doch auch gut, wenn Fehler gemacht und gefunden werden, um daraus zu lernen.

Natürlich ist es sinnvoll, Impulse zu liefern und Anstöße zu geben, sodass Forschende neugierig auf offene Wissenschaft werden. Dann muss es aber auch mit eigener Kraft weitergehen. Was es bräuchte, ist die Anerkennung von Open Science in Karrierewegen. Wenn nur mit Belohnungen gearbeitet wird, geht die intrinsische Motivation verloren. Wenn ich Open Science dann nur noch um der Bonuszahlung halber mache, bin ich keine offene Wissenschaftlerin mehr. Das führt meiner Meinung nach dazu, dass nicht mehr genug reflektiert wird und ich hätte Sorge, dass dann beispielsweise mehr Daten veröffentlicht würden, die nicht publiziert werden sollten – sei es, weil die Testpersonen ihr Einverständnis nicht gegeben haben oder weil die Daten nicht gut sind (z.B. keine validierten Skalen genutzt o.ä.). Was es aber unbedingt braucht, ist Anerkennung von Open Science bei Karriereentscheidungen, d.h. die Einbeziehung von Altmetrics, Datenpublikationen oder auch die Produktion von OER – zumindest als B- oder C-Kriterium in Einstellungsverfahren.

Würden Sie sagen, Wissenschaft der Zukunft ist eigentlich mehr Teamarbeit?

CF: Ganz genau. Das denke ich ehrlich gesagt sowieso. Auch schon in Bezug auf Methodenexpertisen braucht es viel mehr Diversität im Forschungsteam. Aber auch bezogen auf die Wissenschaftskommunikation braucht man so viele zusätzliche Kompetenzen. Ich würde mir unter dem Stichwort Anreize für Open Science wünschen, dass die Universität mir mehr Expert:innen an die Seite stellt, die mir die Wissenschaftskommunikation abnehmen oder die Datenaufbereitung. Das ist einfach Aufwand, die Metadaten oder ein gutes Codebuch zu erstellen oder eben die eigenen Ergebnisse für ganz normale Bürger:innen verständlich aufzuarbeiten. Ich finde nicht, dass letzteres von den Öffentlichkeitsarbeitsabteilungen der Universitäten hinreichend unternommen wird, zumindest nicht besonders proaktiv. Ich habe auch den Eindruck, dass diese Arbeitsteilung im Ausland stärker gemacht wird, gerade in Departmentstrukturen.

Sie haben im Heinsberg-Paper geschrieben, dass Prereview-Plattformen weiterentwickelt werden müssen für Open Science. Was meinen Sie damit?

CF: Zu der Heinsberg-Studie: Vor dem Reviewprozess haben die Wissenschaftler:innen ihre Erkenntnisse in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Für die Gesellschaft war es natürlich in einer solchen Krisensituation wichtig, zeitig Ergebnisse zu kommunizieren. Aber, wenn man noch keine Zweit- oder Drittmeinung zu Forschungsdesigns und -ergebnissen hat, birgt dies Schwierigkeiten. Es fehlt die Qualitätskontrolle. Man müsste also versuchen, schneller in ein Reviewverfahren reinzukommen. Es ist ja möglich, Preprints zu veröffentlichen, zum Beispiel im Open Science Framework, und die der wissenschaftlichen Community zur Verfügung zu stellen, bevor der formale Reviewprozess startet. Die wissenschaftliche Community kann dann versuchen, gerade wenn es schnell gehen muss, selbst diesen Reviewprozess zu organisieren statt auf die Organisation der Verlage zu warten. Plattformen wie https://outbreaksci.prereview.org oder https://prereview.org oder für mein Feld eher Open Science Framework oder SocArXiv bieten die Chance, diesen Feedbackprozess zu beschleunigen. Es ist im Prinzip vergleichbar mit einer Konferenz, wo ich mir von meinen Peers auch schon mal Rückmeldungen abhole. Nur dass eine Konferenz nur einmal im Jahr stattfindet und eine Prereview-Plattform natürlich durchgehend genutzt werden kann. Gerade, wenn es schnell gehen muss und ich meine Forschungsergebnisse schon vor dem Review der Öffentlichkeit präsentieren möchte, sind diese Plattformen ein guter Weg. Und sie bieten natürlich eine größere Transparenz als eine geschlossene Konferenz.

Wie setzen Sie Open Access um?

CF: Ich versuche immer, sofern es der Verlag zulässt, einen offenen Preprint parallel zu veröffentlichen. In der Regel gehe ich hier über das Repository meiner Universität oder über das OSF. Wenn kein Preprint erlaubt ist, dann zahle ich auch Open-Access-Gebühren. Bisher habe ich mich aber geweigert, in diese „über 1.000–Euro-Marge“ zu gehen, die einige Verlage verlangen. Da arbeite ich dann lieber mit Postprints, wenn die Embargofrist eines Artikels abgelaufen ist.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Präregistrierungen?

CF: Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Erst jetzt bei einem Papier, bei dessen Ergebnis ein Nullergebnis herausgekommen ist, es also eben keinen Effekt gab. Und mir wurde immer schon gesagt, Nullergebnisse zu publizieren würde hart werden. Es war aber überhaupt kein Problem. Ich habe es submitted und super ermutigende Reviews bekommen. Die Gutachter:innen haben sich auf die Präregistrierung bezogen und die Nullergebnisse für wertvoll erachtet. Da habe ich gemerkt, wenn Dinge schiefgehen oder keine Ergebnisse herauskommen, was in den Sozialwissenschaften bei Experimenten doch öfter mal vorkommt, dass es wertvoll ist, eine Präregistrierung in der Hinterhand zu haben, sodass man zeigen kann, dass man eben nicht die Daten solange manipuliert, bis irgendetwas herauskommt. Das hat mir sehr geholfen. Ich finde die Präregistrierung an sich auch eine gute Kontrolle, ob ich mein Forschungsdesign ausreichend durchdacht habe. Eine Präregistrierung zwingt mich zu ein bisschen mehr Disziplin in den idealen Forschungsprozess hinein. Also vor der Datenerhebung genau zu planen: Was sind meine Hypothesen? Wie genau will ich die Daten erheben? Wie analysiere ich meine Daten?

Wo machen Sie das, beim Open Science Framework?

CF: Genau. Da gibt es ja auch verschiedene Templates, mit denen ich arbeiten kann. Ich finde das von AsPredicted ziemlich gut, es ist nicht zu ausführlich, aber fragt dennoch alles Relevante ab. Ich habe dort auch gerade einige Präregistrierungen liegen. Ein Vorteil ist, dass ich sie mit einer Embargofrist belegen kann und sie beispielsweise erst sichtbar werden, wenn ich ein Manuskript submitte oder auch, dass ich Präregistrierungen dort auch blind ablegen kann. Ich kann sie dann im Review-Prozess mit angeben und es ist dennoch ein Double-Blind-Review möglich. Es ist zwar Aufwand, aber ich bin ein totaler Fan davon.

Wo veröffentlichen Sie Ihre Forschungsdaten?

CF: Forschungsdaten habe ich bisher auch beim Open Science Framework veröffentlicht. Hier können dann Leute aus meinem Fach zugreifen und nicht nur Wissenschaftler:innen meiner Universität. Außerdem sind die Hürden sehr niedrig. Beim OSF kann ich alles selbstgesteuert und ohne viele Abstimmungen machen. Ich muss dann nicht mit einem Datenzentrum klären, was beispielsweise schon bei der Datenerhebung zu beachten ist. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich für meine Daten auch keine speziellen Zugangskontrollen brauchte, weil ich bisher nicht mit sensiblen Daten gearbeitet habe, die das erfordert hätten. Ich verknüpfe dann auch immer die Daten mit den zugehörigen Artikeln, so dass klar ist, was zusammen gehört. Transparenz und Replizierbarkeit sind mir hier wichtig.

Bereiten Sie Ihre Forschungsergebnisse für außerwissenschaftliches Publikum auf? Wenn ja, in welcher Form und mit welchen Erfahrungen?

CF: Ich versuche, Themen die auch für Praktiker:innen interessant sein könnten, in entsprechenden Fachmagazinen zu veröffentlichen. Ich habe mittlerweile einige Veröffentlichungen bei solchen Magazinen. Ich halte auch Vorträge oder Workshops bei Weiterbildungen für Praktiker:innen aus der Verwaltung, bei denen ich meine Forschungsergebnisse einbinde. Ich komme dann nochmal in einen anderen Austausch und erhalte auch einen anderen Blick auf die Probleme, die in der realen Welt wirklich zu lösen sind. Ich bin zudem auf der Plattform „Ring a Scientist“ vertreten. Dort können sich Lehrkräfte an Schulen Expert:innen zu bestimmten Themen suchen und einladen. Meine Fachdisziplin ist sicherlich nicht das relevanteste Unterrichtsthema, aber ein paar Termine hatte ich darüber schon. Dann ging es vor allem darum, zu erklären, wie Wissenschaft als Beruf oder wie Sozialwissenschaft funktioniert. Das macht Spaß und ist ein anderes Publikum, das mit frischen Fragen kommt und auch eingeschliffene Routinen oder die Dinge, mit denen man sich schon abgefunden hat, hinterfragt.

Was sind Ihre Tipps für Wirtschaftswissenschaftler:innen, um in die Open-Science-Welt einzusteigen?

CF: Ich glaube, das wichtigste ist tatsächlich, eine Community ausfindig zu machen und in diese Community reinzukommen. Das Fellowprogramm gibt es nun leider (erstmal) nicht mehr, aber der Stifterverband hat zum Beispiel ein ähnliches Programm. Also einfach bei den großen Playern mal schauen und in Kontakt kommen, z.B. Volkswagen-Stiftung, Stifterverband, Wikimedia usw. Ich würde versuchen, institutionelle Player zu finden, die Projekte unterstützen. Und parallel im eigenen Forschungsfeld herausfinden, wer das schon macht, also wer offene Forschungsmethoden verwendet. Diese Leute sind in der Regel auch motiviert, ihr Wissen weiterzugeben. Man kann zum Beispiel schauen, wer zu Artikeln immer auch Daten publiziert und diese Personen dann einfach kontaktieren. Durch die Badges für Open Data oder Open Code sehe ich das ja dann auch recht einfach. Ich habe die Community insgesamt als sehr offen erlebt, über Erfahrungen und Tipps dann auch in den Austausch zu kommen.

An vielen Universitäten gibt es ja auch formale Mentoringprogramme, bei denen man sich Mentor:innen selber aussuchen kann. Auch hier kann man sich jemanden aus der Open Science Community suchen.

Insgesamt gibt es aber gerade in der BWL nicht die eine Gruppe, an die man sich wenden kann. Man muss also erst einmal den Rechercheaufwand betreiben, wen man ansprechen kann. Ich würde diesen Schritt aber immer gehen bevor man versucht, sich allein durchzukämpfen.

Vielen Dank!

Das Interview wurde geführt von Dr. Doreen Siegfried.

Über Dr. Caroline Fischer

Caroline Fischer ist Postdoc am Lehrstuhl für Public und Nonprofit Management an der Universität Potsdam. Sie forscht zu Wissensmanagement und organisationalem Lernen, Personalmanagement im öffentlichen Sektor sowie zur digitalen Transformation der Verwaltung und deren Auswirkung auf Beschäftigte und Bürger:innen. Ab Oktober 2021 wird Sie als Assistenzprofessorin an der Universität Twente am Department of Public Administration tätig sein.

Caroline Fischer wurde im Juli 2020 mit dem Prädikat summa cum laude promoviert. Sie war Stipendiatin des Junior-Teaching-Professionals-Programms der Potsdam Graduate School. Im Jahrgang 2017/2018 war sie Fellow im Programm Freies Wissen von Wikimedia Deutschland, Stifterverband und Volkswagenstiftung. Auf ihrem Blog schreibt sie über offene Wissenschaft in der Verwaltungsforschung.

Kontakt: https://www.uni-potsdam.de/de/ls-puma/team/dr-caroline-fischer

ORCID-ID: https://orcid.org/0000-0001-5870-4498

Twitter: https://twitter.com/openpuma?lang=de

Blog: https://openpuma.wordpress.com/




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