Mit Open Source an die nationale und internationale Forschungsspitze

Prof. Dr. Claudia Kemfert über ihre Open-Science-Erfahrungen

Die drei wesentlichen Learnings:

  • Open Source schafft neue Möglichkeiten des Austausches und der Kooperation.
  • Open-Source-Modelle eröffnen neue Möglichkeiten des Lernens.
  • Transparenz ist wichtig für ausgezeichnete Wissenschaftskommunikation und Politikberatung.


Welche positiven Erfahrungen haben Sie im Kontext von Open Science gemacht?

CK: Im Bereich der Forschungen entwickeln und betreiben mein Team und ich fast ausschließlich quelloffene numerische Modelle zur Simulation der Energiemärkte (Strom, Gas, Kohle, Öl). Siehe: https://www.diw.de/de/diw_01.c.599753.de/modelle.html#ab_599749 und http://www.osemosys.org/ Inwieweit explizit Open Source zu mehr Zitationen etc. geführt hat, ist empirisch schwer messbar. Uns hat Open Source bisher nicht geschadet, im Gegenteil.


Welche Vorteile hat es Ihnen gebracht, Ihre Modelle quelloffen zu veröffentlichen?

CK: Open Source eröffnet neue Gesprächs- und Austauschplattformen und Möglichkeiten der Kooperation. Insofern sollten in der Tat alle Forschungsinstitute explizit Forschungsergebnisse Open Source zur Verfügung stellen und so zu Transparenz, Austausch, Kooperationen und Diskursen beitragen. Mehr und mehr Institute machen dies mittlerweile auch so z. B. das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), die ETH Zürich, Initiativen in U.S. usw. Allerdings gibt es auch einen Wettbewerb um knappe Drittmittel und Aufträge. Insbesondere in der energiewirtschaftlichen Beratung werden ebenso derartige Modelle genutzt, die nicht offen zur Verfügung stehen und als Wettbewerbsvorteil „verkauft“ werden. Wir werden weiterhin für Open Source werben und Modelle/Ergebnisse Open Source zur Verfügung stellen. Dies gehört zur wissenschaftlichen Transparenz und schafft so Vertrauen in Forschungsergebnisse.


Wie hat diese Transparenz Sie und Ihr Team vorangebracht?

CK: Wir waren eines der ersten Teams, die Open Source konsequent angewendet haben. Dies hat nicht nur die für uns wichtige Transparenz geschaffen, sondern auch neue Möglichkeiten des Lernens und der Kooperation. Es hat unser Team nicht nur vorangebracht, sondern an die nationale und internationale Forschungsspitze. Wir können so in exzellenter Art und Weise Grundlagen- mit angewandter Forschung verbinden und zudem den Auftrag der Wissenschaftskommunikation und Politikberatung in ausgezeichneter Art und Weise verbinden.


Claudia Kemfert leitet seit 2004 die Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik an der Leuphana Universität.  Als Gutachterin und Politikberaterin ist sie in verschiedenen Nachhaltigkeitsbeiräten und Kommissionen tätig. 2016 wurde Claudia Kemfert in den Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) berufen. Im Rahmen der High Level Group on Energy and Climate beriet sie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Zudem ist und war sie in Beiräten verschiedener Forschungsinstitute aktiv. Außerdem ist sie als Jurorin zahlreicher Preise tätig, wie zum Beispiel für den deutschen Studienpreis oder den deutschen Umweltpreis.

Im Jahr 2006 wurde Claudia Kemfert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Helmholtz- und der Leibniz-Gesellschaft als Spitzenforscherin ausgezeichnet, im Jahre 2011 folgte die Urania Medaille sowie der B.A.U.M. Umweltpreis in der Kategorie Wissenschaft, im Jahre 2016 der Deutsche Solarpreis sowie der Adam Smith Preis. Seit einigen Jahren ist Kemfert Mitglied der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome, seit 2016 im Präsidium.

Im F.A.Z. Ökonomenranking belegte sie Platz 14 und ist damit die einflussreichste Ökonomin im deutschsprachigen Raum.




Zurück zum Open-Science-Magazin