Praxistipp 4

Wissenschaftskommunikation mit Social Media – Risiken und wie man sie handhabt

Wissenschaftskommunikation in sozialen Medien wird für Forschende immer relevanter, insbesondere für Ökonom:innen, deren Forschungsergebnisse oft politische Konsequenzen und Einfluss auf gesellschaftliches Handeln haben.

Beiträge nur nach Bauchgefühl hochzuladen führt jedoch häufig nicht zur gewünschten Aufmerksamkeit. Die Leitlinie des National Co-ordinating Centre for Public Engagement (kurz NCCPE) nimmt Wissenschaftler:innen an die Hand und leitet sie durch den Planungsprozess für eine effektive Online-Kommunikation. Wir haben hier die Kernergebnisse für Sie zusammengefasst.

Welche Risiken könnten relevant werden?

Denken Sie daran, dass die Nutzung sozialer Medien nicht risikofrei ist – genau wie jedes andere Engagement muss es wohlüberlegt sein. Soziale Medien sind eine öffentliche Konversation und haben potenziell internationale Engagierte. Zu den Risiken gehören:

Inhalte: Inhalte können für bestimmte Gemeinschaften, einschließlich internationaler Kontexte, heikel sein. Seien Sie sich dessen bewusst und holen Sie eine zweite Meinung ein. Haben Sie keine Angst, Risiken einzugehen, aber gehen Sie informierte Risiken ein. Stehen Sie zu Ihren Fehlern. Vergessen Sie nicht zu bedenken, was Ihnen entgeht.

Reputationsschäden: Wenn Sie ein Projekt oder eine Organisation repräsentieren, stellen Sie sicher, dass Sie deren Werte und Protokolle verstehen. Achten Sie darauf, wie Sie reagieren – denken Sie nach, bevor Sie tweeten! Wenden Sie sich an die institutionellen Kommunikations-/Social-Media-Teams, um Unterstützung und Beratung zu erhalten.

Anlaufstelle für die Organisation: Sie können zum Brennpunkt Ihrer Organisation werden und müssen sich mit negativen Themen auseinandersetzen. Denken Sie daran, dass Sie sich entscheiden können, sich nicht zu engagieren. Teilen Sie nur das, was Sie gerne teilen möchten. Übernehmen Sie nicht die Verantwortung für alles und beziehen Sie das Marketing- und Kommunikationsteam Ihrer Organisation mit ein.

Peers untergraben Ihr Engagement: Engagement wird nicht immer von Ihren Kolleg:innen geschätzt – aber wenn die Engagement-Arbeit ihren Zweck erfüllt, machen Sie weiter. Nutzen Sie Gelegenheiten, um Ihre Arbeit vorzustellen. Werten Sie es aus und belegen Sie den Wert. Teilen Sie dies mit Ihren Führungskräften. Arbeiten Sie mit Ihrem Engagement-Team zusammen – es kann Sie unterstützen.

Trolle: Ein Internet-„Troll“ ist jemand, der beleidigende und kontroverse Kommentare online stellt, um Reaktionen von anderen Nutzer:innen zu erzeugen. Stellen Sie sicher, dass Sie die Trolle nicht “füttern“. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob jemand ein Troll ist, könnten Sie einmal antworten, aber dann weggehen. Stellen Sie sicher, dass Sie um Hilfe und Unterstützung bitten. Erkennen Sie es als etwas, das Trollen Spaß macht und versuchen Sie, es sich nicht zu Herzen zu nehmen. Melden Sie es der Social-Media-Plattform, wenn Sie denken, dass es gegen deren Verhaltenskodex verstößt.

Nachhaltigkeit: Möchten Sie, dass die Aktivität aufrechterhalten wird? Wenn nicht, was werden Sie tun, wenn Ihr Projekt in einer Weise abhebt, die Sie nicht erwartet haben? Wie viel Verantwortung müssen Sie übernehmen, um dies zu bewältigen?

Zeitaufwand: Seien Sie sich dessen von Anfang an bewusst. Stellen Sie sicher, dass Sie Zeit einkalkulieren.

Fehlende Leute: Seien Sie sich bewusst, dass Social Media nicht Jeden erreicht. Identifizieren Sie Ihr aktuelles Publikum und dann die Nicht-Nutzer:innen und diejenigen, die Social Media nur sporadisch nutzen.

Rechtliche Herausforderungen: Prüfen Sie die rechtliche Definition von Diffamierung und lassen Sie es bleiben!

Datenschutz: Seien Sie sich über die Protokolle im Klaren, was geteilt werden darf, zum Beispiel Bilder von Veranstaltungen in Bezug auf DSGVO.

Mangelndes Engagement: Social Media ist eine Kunstform und es braucht Zeit, um eine Community aufzubauen. Dies hängt von Ihrem Zweck und den Menschen ab, mit denen Sie sich engagieren wollen. Überprüfen Sie Ihren Ansatz im Laufe der Zeit.

Inhalte werden von Gruppen mit anderen Zielen und Werten gekapert: Die Verwendung von Hashtags kann die Reichweite Ihrer Beiträge erhöhen, kann aber auch das Potenzial erhöhen, dass Ihre Inhalte falsch dargestellt oder von Agenden vereinnahmt werden, mit denen Sie nicht einverstanden sind.

Schwierigkeiten beim Erklären des Inhalts: Wenn Sie Schwierigkeiten haben, den Kontext in Tweets zu vermitteln, sollten Sie eine andere Plattform in Betracht ziehen oder Links zu tiefer gehenden Inhalten bereitstellen, die Ihren Tweet kontextualisieren.

Sich verändernde Landschaft: Die Geschwindigkeit, mit der sich Plattformen ändern, ist sehr hoch – mit den aktuellen Best Practices auf dem Laufenden zu bleiben, erfordert Zeit und Wissen.

Schulung: Viele Institutionen bieten Schulungen für die Nutzung von Social Media an. Falls Ihre Einrichtung dies nicht tut, gibt es online viele Leitfäden und Unterstützungsnetzwerke.

Unterschiedliche Agenden – Forschungseinrichtungen, Wohltätigkeitsorganisationen, Universitäten, Unternehmen und andere Forschungspartner können alle ihre eigenen Social-Media-Richtlinien und -Vorgaben haben. Diese können miteinander kollidieren und es kann für die Einzelnen eine Herausforderung sein, herauszufinden, wo sie stehen und sicherzustellen, dass sie sich an alle Bedingungen halten, die sie online einhalten müssen.

Diese Risiken sollen Sie nicht abschrecken, aber sie sind es wert, sie zusammen mit den anderen Tipps im Hinterkopf zu behalten, damit Sie soziale Medien effektiv und durchdacht nutzen können, um mit Ihrem ausgewählten Publikum in Kontakt zu treten. Viel Erfolg!

Stand: März 2021
Fragen, Kommentare und Hinweise gern an open-science@zbw.eu



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