Gemeinsam offen publizieren

ZBW gestaltet Finanzierung und Support-Strukturen für Diamond Open Access

Foto von vier Personen in einer Gesprächsrunde

Foto: Maxim Schulz

Open Access ist Teil einer Open-Science-Entwicklung, die Forschungsprozesse und Publikationswege verändert. Die Erwartungen an Zugänglichkeit und Nachnutzbarkeit von Forschungsergebnissen steigen, zugleich entstehen neue Anforderungen im Bereich Organisation, Technik, Recht und Finanzierung. Für die ZBW ist diese Transformation kein Randthema, sondern ein Arbeitsfeld, in dem Informationsinfrastrukturen Verantwortung übernehmen. Die ZBW verbindet in unterschiedlichen Kollaborationen wissenschaftliche Communities, entwickelt Modelle für offene Publikationsformen und schafft verlässliche Rahmenbedingungen für Qualität, Sichtbarkeit und Nachhaltigkeit. Was 2025 hier konkret erreicht wurde, wird im Folgenden dargestellt.

Diamond Open Access als verlässliche Praxis etablieren

Die ZBW verfolgt bei ihren Bestrebungen im Kontext der Open-Access-Transformation eine klare Linie. Diamond Open Access – also wissenschaftsgeleitetes, nicht-kommerzielles Publizieren ohne Kosten für Autor:innen und Leser:innen – soll dort gestärkt werden, wo es für Fachcommunities relevant ist und wo nachhaltige Strukturen aufgebaut werden können. Der Schwerpunkt liegt auf zwei komplementären Ansätzen, die 2025 sichtbar vorangetrieben wurden: Open Library Economics (OLEcon) als Finanzierungs- und Umstellungsmodell für wirtschaftswissenschaftliche Zeitschriften sowie die Beteiligung an der Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA) als nationale Servicestelle, in der die ZBW Community-Support-Services verantwortet. Zusammen bilden sie einen strategischen Beitrag der ZBW zur Frage, wie Diamond Open Access dauerhaft tragfähig werden kann, nicht nur als Prinzip, sondern als verlässliche Praxis.

Diamond Open Access resilienter machen

Was ist der Ausgangspunkt? Diamond Open Access reduziert Zugangsbarrieren, eliminiert aber nicht die Arbeit, die wissenschaftliches Publizieren ermöglicht. Redaktion, Qualitätssicherung, Plattformbetrieb, Metadaten, DOI-Registrierung, Indexierung, rechtliche Klärungen, Barrierefreiheit und Weiterentwicklung verursachen Aufwand, unabhängig davon, ob Artikel- oder Subskriptionsgebühren erhoben werden. In vielen Diamond-Initiativen werden zentrale Aufgaben durch Sachleistungen getragen, also durch nicht-monetäre Beiträge wie ehrenamtliche Redaktion, technische Unterstützung oder institutionelles Hosting. Diese Form der Ressourcennutzung kann funktionieren, sie bleibt aber häufig personengebunden und ist bei Personalwechseln oder veränderten Prioritäten schwer abzusichern. Hinzu kommt, dass Kosten und Zuständigkeiten oft nicht transparent dokumentiert sind, weil sie in Stellenanteilen „mitlaufen“ oder verteilt in mehreren Einheiten entstehen.

Vor diesem Hintergrund setzt die ZBW mit OLEcon und SeDOA an zwei Stellen an, die sich in der Praxis immer wieder als Engpässe zeigen. Ein Hebel ist die Finanzierung. Es geht um zentrale Fragen wie: Wer trägt welche Kosten? Wie werden Mittel gebündelt? Wie gelingt Verstetigung? Der andere Hebel ist der Support. Wie werden Wissen, Standards, Beratung und Austausch organisiert, damit Diamond Open Access in der Breite professionalisiert werden kann?

Diamond Open Access in den Wirtschaftswissenschaften finanzieren und verstetigen

Mit OLEcon organisiert die ZBW die Kofinanzierung von Diamond-Open-Access-Zeitschriften aus den Wirtschaftswissenschaften über ein Finanzierungskonsortium. OLEcon adressiert damit ein konkretes Feld, das heißt wirtschaftswissenschaftliche Journals, und verbindet zwei Aufgaben. Zum einen engagiert sich die ZBW für die finanzielle Absicherung der Zeitschriften und zum anderen unterstützt das OLEcon-Team unter Leitung von Dr. Juliane Finger Herausgebende beim Wechsel zu wissenschaftsgeleitetem Diamond Open Access.

Finanzierungsmechanik

Kern des OLEcon Modells ist das jährliche „Pledging“ für ein Journalbündel. Mitfinanzierende Einrichtungen, die OLE-Konsortien, beteiligen sich für ein Jahr mit einem festen Betrag, gestaffelt nach Einrichtungsgröße. Die ZBW koordiniert das Konsortium, organisiert die Beteiligung der Einrichtungen und leitet die konsortial eingenommenen Mittel an die Zeitschriften weiter. Damit wird ein kollektiv getragenes Finanzierungsprinzip umgesetzt, das nicht auf Einzeltransaktionen angewiesen ist, sondern auf planbaren Beiträgen einer Gemeinschaft.

OLEcon steht für wissenschaftsgeleitetes Publizieren. Die wissenschaftlichen Herausgebenden haben die Entscheidungshoheit, und die Zeitschriften sind nicht-kommerziell ausgerichtet. Veröffentlichungen erfolgen unter einer offenen Lizenz (CC BY), die Nachnutzung ermöglicht und Rechte bei den Autor:innen belässt. OLEcon verbindet diese inhaltlichen Leitplanken mit pragmatischen Umsetzungswegen, inklusive Beratung und, falls passend, der optionalen Vermittlung zu nicht-kommerziellen Publikationsanbietern.

Foto von Juliane Finger

„Wenn viele Einrichtungen gemeinsam Verantwortung übernehmen, wird Diamond Open Access dauerhaft möglich. Das jährliche Pledging schafft dafür die Grundlage und zeigt, dass Zusammenarbeit im Konsortium die Grundlage ist, um wissenschaftsgeleitete Zeitschriften unabhängig, offen und langfristig zu tragen.“

Dr. Juliane Finger, Projektleiterin OLEcon

Foto: Pepe Lange

Schwerpunkte 2025 – Ausbau und Stabilisierung

Das Jahr 2025 war für OLEcon ein Jahr, in dem die Aufbauarbeit nun in belastbareren Strukturen resultierte. Vier Zeitschriften wurden im Jahr 2025 durch das Finanzierungskonsortium kofinanziert. Parallel wurde der Ausbau des Konsortiums im Rahmen des BMFTR-Projekts „OLEKonsort“ (2023–2026) weiter vorangetrieben. Das Projekt stellt zusätzliche Mittel für die Konsortialentwicklung bereit und unterstützt den Übergang von Anschubfinanzierung zu einem wachsenden Anteil konsortialer Mitfinanzierung. Nach Befürwortung es Beirates der ZBW wird die ZBW das Projekt bis 2031 weiter finanzieren.

Ein wichtiger Aspekt war 2025 die Community-Arbeit rund um das Konsortium. Die ZBW adressierte Mitfinanzierende nicht nur über Zahlungsprozesse, sondern über Information und Austausch. Newsletter, Online-Informationsveranstaltungen, das Angebot individueller Publikationslisten für Einrichtungen sowie virtuelle Community-Formate waren darauf ausgerichtet, Transparenz zu schaffen und die Beteiligten langfristig zu binden. Damit reagierte OLEcon auf die praktische Realität, dass Open-Access-Finanzierung in Einrichtungen häufig an Haushaltslogiken, Erwerbungsprozessen und internen Zuständigkeiten hängt. Genau diese „Wie“-Fragen wurden 2025 systematisch aufgegriffen und für die Verstetigung des Modells nutzbar gemacht.

Nationale Support-Infrastruktur SeDOA

Während OLEcon ein fachlich fokussiertes Finanzierungsmodell darstellt, adressiert SeDOA die disziplinübergreifende Frage, wie Diamond Open Access in Deutschland koordinierter, sichtbarer und handhabbarer werden kann. SeDOA wird als DFG-gefördertes Verbundprojekt unter Leitung der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt aufgebaut und bündelt Angebote für Herausgebende, Publikationsdienste, Bibliotheken, Fachgesellschaften und weitere Akteur:innen.

ZBW-Rolle in SeDOA

Die ZBW ist Teil des SeDOA-Konsortiums und verantwortet innerhalb des Vorhabens den Aufbau von Community Support Services. Die Open-Access Expertin Helene Strauß aus dem ZBW-SeDOA-Team erläutert:

Foto von Helene Strauß

„Die Community-Arbeit ist strategisch relevant, weil Diamond Open Access in der Praxis häufig nicht an fehlendem Willen scheitert, sondern an mangelnder Orientierung, nicht vorhandenen Vorlagen, unklaren Zuständigkeiten und fragmentiertem Wissen.“

Helene Strauß, Open-Access Expertin aus dem ZBW-SeDOA-Team

Foto: Sven Wied

Der ZBW-Beitrag zielt deshalb darauf, Support so zu organisieren, dass er in der Breite nutzbar wird, und dies über Disziplinen und Organisationsformen hinweg.

Zu den Community Support Services gehören insbesondere:

  • bedarfsorientierte Beratungs- und Unterstützungsangebote,
  • Workshop- und Austauschformate,
  • der Aufbau einer Wissensbasis,
  • sofern erforderlich die Einbindung rechtlicher Expertise, etwa über Gutachten zu wiederkehrenden Fragestellungen.
Foto von Bente Steinecke

„Rechtliche Fragen sind im Diamond Open Access oft der Punkt, an dem Vorhaben ins Stocken geraten. Wer hält die Titelrechte? Welche Lizenz passt zum Publikationsziel? Wie werden Verantwortlichkeiten, Verträge oder Haftungsfragen sauber geregelt? Um hier Orientierung zu schaffen, bündeln wir juristische Expertise, damit Entscheidungen belastbar getroffen werden können.“

Bente Steinecke, SeDOA-Juristin

Foto: Sven Wied

SeDOA-Startphase und erste Community-Formate

2025 war das Aufbaujahr, in dem SeDOA seine Arbeitsfähigkeit herstellte und erste Formate für die Community anbot. Für die ZBW stand dabei die Frage im Zentrum, wie sich Austausch so gestalten lässt, dass er konkrete Umsetzungsfragen adressiert und nicht bei allgemeinen Positionsbestimmungen stehen bleibt. In einer detaillierten Online-Umfrage sowie mehreren Workshops wurden Bedarfe der Community und gewünschte Formate für den Community Support erfasst. Beispielhaft für den Austausch der ZBW mit der Community sind zudem zwei Online-Veranstaltungen:

  • Open-Science-Retreat (23.–24. September 2025): Unter dem Titel „Diamond Open Access: Utopian Dream or the Only Fair Future?“ stellte Dr. Juliane Finger, Open-Access-Expertin der ZBW, Diamond Open Access in einen breiteren Open-Science-Kontext und diskutierte es zusammen mit den Teilnehmenden aus unterschiedlichen Perspektiven. Das Format ermöglichte vertiefte Gespräche über Spannungen zwischen Anspruch und Praxis, etwa zu Ressourcen, Rollen und langfristiger Verantwortungsübernahme.
  • Online-Workshop „Diamond Open Access auf Länderebene: Impulse, Perspektiven, Austausch“ (25. November 2025): SeDOA lud gemeinsam mit Landesinitiativen aus Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg und dem Saarland zu einem Austausch über Förder- und Vernetzungsstrukturen auf Länderebene ein. Vier Kurzimpulse beleuchteten Status, Rahmenbedingungen, Maßnahmen und Herausforderungen der Initiativen. Ein Panel fokussierte die Übertragbarkeit von Erfahrungen und die Frage, welche Rolle Landesengagement für die nachhaltige Etablierung von Diamond Open Access spielen kann.

Diese Formate erfüllen aus ZBW-Sicht eine doppelte Funktion. Sie schaffen Vernetzung zwischen Akteur:innen, und sie liefern Rückkopplung für die Ausgestaltung der Community Support Services. Dadurch werden reale Bedarfe wie beispielsweise Finanzierungspraxis, Einbettung in Haushaltslogiken oder Verantwortungsmodelle nicht nur sichtbar, sondern können in Angebote übersetzt werden.

OLEcon und SeDOA – Zwei Hebel für eine gemeinsame Vision

OLEcon und SeDOA stehen für unterschiedliche Hebel, dienen aber einer gemeinsamen Vision der ZBW. Diamond Open Access soll als wissenschaftsgeleitete, nicht-kommerzielle Publikationsoption verlässlich betreibbar sein. Verlässlichkeit meint dabei drei Punkte. Es geht um Planbarkeit, nachhaltigen Support und Community-Verankerung.

Was heißt das nun? Verlässlichkeit im Sinne guter Planbarkeit bedeutet, dass Kosten, Ressourcen und Zuständigkeiten so organisiert sind, dass Publikationsprojekte nicht ausschließlich von Einzelpersonen oder befristeten Mitteln abhängen. Effizienter und nachhaltiger Support umschließt Beratung, Wissen und praktische Hilfen, die so bereitgestellt werden, dass sie von vielen Initiativen genutzt werden können, ohne jedes Mal bei Null zu beginnen. Darüber hinaus ist es für eine stabile Transformation essenziell, wenn die Rechte an den Titeln und Entscheidungskompetenz bei den zahlreichen wissenschaftlichen Communities liegen.

Fünf Zahlen, die Sie sich merken sollten:

  • 4 Zeitschriften, die 2025 konsortial über OLEcon kofinanziert wurden.
  • 6 Journals, die OLEcon 2025 insgesamt gefördert hat (VWL/BWL).
  • 38 mitfinanzierende Einrichtungen im OLEcon-Konsortium 2025 (D/A/CH).
  • 14 neue Einrichtungen, die 2025 zum OLEcon-Konsortium hinzugekommen sind.
  • 15 Einrichtungen im SeDOA-Konsortium

Wie geht es nach 2025 weiter?

Wie die weiteren Planungen nach 2025 aussehen, haben wir drei Open-Access-Expertinnen aus der Arbeit an OLEcon und SeDOA gefragt. Dr. Juliane Finger, Leiterin OLECon und OLEKonsort, Helene Strauß, Open-Access-Kommunikatorin aus dem Projekt SeDOA, und Bente Steinecke, Juristin und Expertin für Lizenzfragen rund um Open Access.

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste nächste Schritt, damit Diamond Open Access dauerhaft tragfähig wird?

Dr. Juliane Finger: Wir müssen konsortiale Finanzierungsmodelle weiter ausbauen. Der Mehrwert liegt in der Verteilung auf viele Schultern. Wenn Einrichtungen gemeinsam und wiederkehrend Beiträge zusagen, entsteht eine stabile Grundlage jenseits von Projektlaufzeiten. Genau dieses gemeinsame Engagement macht es möglich, wissenschaftsgeleitete Zeitschriften langfristig zu betreiben.

Wo sehen Sie den größten Bedarf bei den Unterstützungsangeboten für die Community?

Bente Steinecke: In der Praxis tauchen immer wieder dieselben Fragen auf. Wie planen wir Kosten realistisch? Wie klären wir Rollen und Governance? Welche Workflows sind effizient, welche Standards helfen bei Sichtbarkeit und Qualität? Community Support Services sollten diese wiederkehrenden Themen systematisch abdecken.

Wie greifen OLEcon und SeDOA künftig stärker ineinander?

Helene Strauß: Wir wollen Praxis und Koordination enger verbinden. Erfahrungen aus OLEcon, etwa, wie Diamond-Open-Access-Finanzierung in Einrichtungen haushalts- und prozessseitig verankert werden kann, sind für die Arbeit von SeDOA wertvoll. Umgekehrt können SeDOA-Angebote OLEcon unterstützen, etwa durch Wissen, Standards und Austauschformate. Unser Ziel ist, Finanzierung, Support und Community-Arbeit so zusammenzuführen, dass nicht einzelne Projekte im Fokus stehen, sondern belastbare Strukturen für Diamond Open Access.

Vielen Dank!

Linktipps:

https://olecon.zbw.eu

https://olecon.zbw.eu/konsortium

https://olecon.zbw.eu/konsortium

https://diamond-open-access.de/home/sedoa-veranstaltungen

Der Text wurde erstellt am 22. April 2026.





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